Arbeiterkameraden Osterbrunnen

Das 19. Jahrhundert ist geprägt vom industriellen Fortschritt und dem Preis, den die Arbeiter dafür bezahlen mussten. Maschinen, die rund um die Uhr benutzt werden konnten, führten oftmals zu einem 12-Stunden-Tag, und erst 1900 ging die wöchentliche Arbeitszeit auf 61 Stunden zurück.

 

 

 

 

 

 

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Bezahlt wurde den Arbeitern oft so wenig, dass sie keinerlei Möglichkeiten besaßen, durch Ersparnisbildung für Notzeiten Vorsorge zu treffen. Die Arbeiter waren ihren Arbeitgebern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, es gab keinerlei Arbeitsschutz o.ä., und die unternehmerische Gründergeneration entbehrte jeglichen sozialen Verhaltens. In Notsituationen war man weitgehend angewiesen auf die recht dürftige "Armenfürsorge" (die heutige Sozialhilfe), auf die man meist keinen Anspruch hatte.

Vor diesem Hintergrund setzten sich 34 Männer zusammen, um nach langen Beratungen und Richtungskämpfen am 1.10.1882 den Arbeiter-Verein mit Kranken-Unterstützungs-Kassa in Sulzbach zu gründen.

Zweck des Vereins war gesellige Unterhaltung und im Falle einer Krankheit wöchentliche Unterstützung in Höhe von einer Mark. Zur Auszahlung war, wie sich aus den noch vorliegenden Belegen ergibt, der Besuch eines Krankenkontrolleurs sowie ein ärztliches Attest erforderlich. Aus diesem Grund gehörten dem Verein auch insgesamt vier Krankenkontrolleure an.

Gründer des Vereins und 1. Vorstand war Johann Götz. Bereits kurz nach der Gründung fand der Verein derartigen Anklang, dass er in dem noch kleinen Sulzbach schon nach zehn Jahren 150 Mitglieder zählte.

Die Aufnahme von neuen Mitgliedern wurde seinerzeit durch die sogenannte Ballotage (Kugelabstimmung) entschieden, und Drechslermeister Mayer stellte hierzu kostenlos die Ballot-Kugeln zur Verfügung.

Im Jahr 1889 trat der Verein zum ersten Mal in der Öffentlichkeit auf, als er an der großen Geburtstagsfeier des Prinzregenten Luitpold teilnahm.

1891 war die erste Christbaumfeier, und die Tatsache, dass sie in der Turnhalle abgehalten werden musste, zeugt davon, wie groß der Verein inzwischen geworden war.

1892 reiste eine Abordnung des Vereins nach Nürnberg zum Oberpfälzer Verein und erhielt das erste Fahnenband. Im Jahr darauf wurde dann für 490 Mark eine Fahne gekauft. Berücksichtigt man, dass eine Goldmark Ende des 19. Jahrhunderts die heutige Kaufkraft von 9,50 Euro hatte, entspricht das einem Wert von über 4.600 Euro. Die Arbeiter hatten damals bestimmt nicht viel Geld, und wenn man bedenkt, dass ein Liter Bier in jener Zeit 20 Pfennige kostete, so war es schon ein großes Opfer, wenn jedes Mitglied 1,50 für die Anschaffung der Fahne spendierte. Die Einweihung, an der 16 Vereine mit 14 Fahnen teilnahmen, geriet zum Großereignis für Sulzbach.

1894 zählte der Verein bereits 276 Mitglieder und nahm an der Einweihung des Josefhauses teil., das heute das Kolping-Bildungswerk beherbergt.

1898 leitete Salomon Sommer die erste Theateraufführung des Vereins, und 1903 hatte der Mitgliederstand die 300er Grenze überschritten.

In der Folgezeit sind wenig Überlieferungen vorhanden. Der Verein wuchs beständig und hatte seine Blütezeit, bis dann der 1. Weltkrieg ausbrach.

Kaum hatte sich der Verein wieder erholt und im Jahr 1932 sein 50jähriges Jubiläum  gefeiert, kam es zum 2. Weltkrieg.

Doch bis heute hat der Verein, dessen Gründungsprotokoll  mit den Worten "Mit Gott" schließt, alle Schwierigkeiten überwinden können.

1952 gab es zum Beispiel wieder ein großes Fest zum 70jährigen Jubiläum. Dieses wurde musikalisch vom Heimat- und Trachtenverein, dem Zitherclub Almenrausch und dem Werksorchester de Maxhütte umrahmt. Landrat Alwin Müller, stellv. Landrat Karl Wittmann und Bürgermeister Konrad Paulus, Abordnungen des Patenvereins Neukirchen und des "Clubs Solidarität" gaben sich die Ehre im Tuchersaal.

Nach dem allmählichen Wegfall des eigentlichen Gründungszweckes verlagerte sich der Verein mehr und mehr auf das gesellige Zusammenleben, was auch aus der jetzigen Fassung ersichtlich ist.

Für die Reiselustigen wird viel geboten. Wir führen mehrere Reisen im Jahr durch. Dazu gibt es Tagesfahrten (z.B. zu Weihnachtsmärkten), Wanderungen, Besichtigungen, regelmäßige Treffen im Kreuzerwirtbiergarten (jeden zweiten Donnerstag) und vieles mehr

   

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Ein unermüdlicher Motor des Vereins war sicherlich Franz Stanek, der von 1984 bis zu seinem plötzlichen Tod 1996 den Vorsitz führte und den Mitgliederstand von 148 auf 552 steigern konnte.

Ihm folgte Thomas Breunig, der die Geschicke des Vereins bis 1999 leitete.

Im Jahr 2000 wurde Erwin Lesser mit überwältigender Mehrheit zum 1. Vorstand gewählt. Er brachte den Verein verstärkt an die Öffentlichkeit und sorgte für einen weiteren Mitgliederanstieg. Unter seiner Leitung stand auch das 120jährige Jubiläum, das zusammen mit seiner Vermählung mit Gaby Schnellinger zum Stadtereignis wurde. Sein tatkräftiges Wirken zum Wohle des Vereins fand mit seinem allzu frühen Tod am 18.11.2005 ein jähes Ende und hinterließ eine große Lücke.

Seit Februar 2006 leitete Erwin Wedel die Geschicke des Vereins mit besten Kräften und seit 2009 Hans-Jürgen Haas

Die Schlußworte des Gründungsprotokolls sollen auch diese Chronik abschließen:

"Mit Gott"